Geschichte

Der Name Bhutan läßt sich von dem alten indischen Wort Bhotanta ableiten, das das Ende vom Land der Bhots bedeutet. Bhot war ursprünglich der sanskritische Ausdruck für Tibetaner, daher könnte Bhutan auch das Ende des Tibetanischen Landes bedeuten. Es könnte ebenso vom sanskritischen Begriff Bhu´uttan abstammen, was Hochland heißt. Aber keine Herleitung scheint eindeutig die wahre zu sein. Alte tibetanische Schriftsteller nannten ihren fruchtbaren Nachbarn Lho Mon oder Mon Yul, Paradies des Südens oder Land der Mompas. Die Bhutaner selbst nennen ihr Land Druk Yul oder Das Land des friedlichen Drachen. Druk bedeutet Drachen und wurde von der vorherrschenden Drukpa-Schule des tibetanischen Buddhismus übernommen. Die Geschichte Bhutans gleicht dem Pilgern der Buddhisten zum Himalaja. Um die Geschichte Bhutans zu verstehen, muß man sich auch mit der Religion vertraut machen.

Geheimnisse verschleiern die Vergangenheit Bhutans, weil Bücher und Papiere verloren gingen. Es gab mehrere Feuer in der staatlichen Druckerei und in Punakha Dzong in den Jahren 1828 und 1832. Und nach einem starken Erdbeben 1896 und einem Feuer in Paro Dzong wurden die meisten Aufzeichnungen zerstört, jedoch ein paar überstanden die ersten Katastrophen. Trotz dieser Rückschläge ist es gelungen aus den restlichen Aufzeichnungen die Geschichte Bhutans größtenteils zu rekonstruieren. Es läßt sich erkennen, daß sich dieses kleine Königreich deutlich von seiner Umgebung absetzte.

Bis ins 17. Jahrhundert war Bhutan nicht durch eine zentrale Macht regiert, da bis dahin die Religion den Zusammenhalt des Staates gewährte. Im Jahre 747 n. Chr. machte Padma Sambhava, auch bekannt als Guru Rimpoche, seine sagenumwobene Reise von Tibet aus über die Berge auf dem Rücken eines Tigers. Er kam im Paro-Tal in Takstang Lakhang an, der Heimat des Tigers. Heutzutage steht ein Mönchskloster auf den gefährliche Klippen, um dauerhaft an seinen Namen zu erinnern. Guru Rimpoche wird als der Vater des Mahayana Buddhismus angesehen, der zum Tantrismus tendiert. Seine acht Offenbarungen werden in Tempeln im ganzen Königreich verehrt und dort, wo er das Königreich besuchte, findet sich jetzt eine heilige Pilgerstätte der Bhutaner. Guru Rimpoche wird nicht nur als Vater der Nyingmapa-Religion angesehen, sondern sogar als zweiter Buddha.

Im frühen Mittelalter erreichte der Buddhismus seine Blütezeit in Bhutan. Die auf dem tibetanischen basierende Kagyupa Schule entstand zu Beginn des 12. Jahrhunderts und Missionare wurden in den Süden geschickt, um dessen Lehre zu verkünden. Die Lhapa Schule, eine Kagyupa Sekte, kam zu Ende des 12. Jahrhunderts im Westen Bhutans und die Drukpa Schule (eine weiter Untergruppierung des Kagyupa) in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts auf. In den folgenden 500 Jahren gab es Auseinandersetzungen bezüglich der zwei Theorien des Buddhismus. Schließlich herrschte die Drukpa Schule unangefochten im ganzen Land und wurde sogar im Osten und im Zentrum Bhutans anerkannt, wo zuvor Nyingmapa Mönche dominierten. Viele Vorfahren, die heute noch von den Bhutanern gefeiert werden, stammen von der Nyingmapa Schule ab, hinzu kommen die Ahnen der derzeitigen Königsfamilie. Pema Lingpa, der wohl bekannteste Nyingmapa-Heilige starb 1521 in Bumthang, seinem zu Hause. Er war die Reinkarnation des Guru Rimpoche und dem Philosoph Longchen Rabjampa. In seiner Lebenszeit gründete er die Klöster in Petsheling, Kungzandra und Tamshing im Bumthang-Tal. Viele von Pema Lingpas Anhängern siedelten sich im Osten an und verstärkten somit den Zusammenhalt der Nyingmapas.

Shabdrung Ngawang Namgyal, ein tibetanischer Lama der Drukpa-Schule, schuf das heutige System, eine Verknüpfung aus religiöser und weltlicher Regierung. Er wurde 1616 nach Bhutan eingeladen. Zu dieser Zeit gab es keine Zentralregierung, was zu regionalen, zeitweise hartnäckigen, Auseinandersetzungen führte, die einige Jahrhunderte lang andauerten. Als er vorschlug, das Land zu vereinen, erwarb er die Unterstützung vieler mächtiger Familien seiner Schule und errichtete Dzongs (Festungsklöster) in den großen Tälern im westlichen Bhutan. Ursprünglich erbaut, um Feinde abzuschrecken, haben die Dzongs auch heutzutage noch große Macht in diesen Tälern, weil sie Zentren für die Geistlichkeit und die Regierung sind. Shabdrung Ngawang kämpfte und gewann die Schlacht gegen die Tibetaner im Jahre 1639. Dadurch bekam er den Titel 'Shabdrung', was soviel bedeutet wie 'unter dessen Füßen man sich ergibt'. In Wirklichkeit wurde er zum ersten weltlichen und religiösen Führer in Bhutan. Später vereinte Shabdrung das Land und ernannte sich selbst zum Führer des Landes. Er übertrug Druk Desi, einem hohen Offizier, die Macht über den Staat. Die religiösen Angelegenheiten jedoch wurden einem anderen Führer übertragen, Je Khenpo. Das Land war somit in verschiedene Regionen unterteilt und ein ausgeklügeltes Gesetzsystem wurde kodifiziert.

Bhutans erster Shabdrung starb 1651. Innerhalb von fünf Jahren nach seinem Tod wurde das gesamte Land vereinigt. Die Kontrolle übernahm die Zentralregierung. Die letzten Spuren der Macht der Lhapa verschwanden und Drukpa wurde zum Blickpunkt von religiösem und staatlichem Gehorsam.

Innerhalb der nächsten zwei Jahrhunderte brachen periodisch Bürgerkriege aus und die regionalen Machthaber wurden immer mächtiger. Am Ende des 19. Jahrhunderts bezwang der Machthaber von Tongsa (der Zentral- und Ost-Bhutan kontrollierte) seinen Erzfeind, den Machthaber von Paro (der West-Bhutan kontrollierte) und schon kurze Zeit später wurde er als absoluter Führer von Bhutan angesehen. Der Machthaber von Tongsa, Ugyen Wangchuck, wurde im Jahre 1907 von einer Abgeordnetenversammlung, bestehend aus einer Mönchsgemeinde, Beamten und Bürgern, zum ersten König von Bhutan gewählt.

Die Monarchie blühte schon seit jeher und der gegenwärtige König, Seine Majestät Jigme Singye Wangchuck, der Enkel des ersten Königs, regiert mit der überwältigenden Unterstützung seines Volkes.
Zurück zur Titelseite