Agra

Das meistbesuchte touristische Zentrum Indiens ist diese alte Mogulstadt am Westufer des Jumna. Hier steht das größte und prächtigste Kunstwerk der Liebe, das Mausoleum Taj Mahal.
Der Legende nach soll Agra eine Gründung der ersten arischen Siedler sein, damals 'Arya Garh' genannt, später zu Agra zusammengezogene Stadt in Indien mit diesem Namen erwähnt. Später war sie wahrscheinlich von Rajputen bewohnt, und 1131 eroberten Moslems die Stadt. Mit der 1526 beginnenden Mogulen-Dynastie erblühte eine rege Bautätigkeit, die unter Kaiser Akbar (1555-1605) als Erbauer des Roten Forts und der nahegelegenen Stadt Fatehpur Sikri und seinem Enkel Shah Jahan (1627-1665) ihren Höhepunkt erreichte. Die Verschwendungssucht Shah Jahans, der wohl das gesamte Staatsvermögen in den Bau des Taj Mahal und anderer aufwendiger Bauten, u.a. ins Rote Fort, steckte, führte zu seiner Absetzung durch seinen Sohn Aurangzeb (1665-1706). Der Niedergang der Stadt war jedoch nicht mehr aufzuhalten: Die Hinduvölker begannen, sich gegen die Herrschaft des Islam zu erheben, und plünderten Agra mehrmals, bis schließlich 1806 die Engländer die Stadt besetzten. Damals war von den knapp 1 Mio. Einwohnern der Mogul-Zeit die Bevölkerung auf etwa 100.000 geschrumpft. Heute zählt sie ca. 140.000 Einwohner, mit Vororten 250.000. Und wieder sind die Bauwerke bedroht: Die zunehmende Luftverschmutzung durch die Schwefelabgase einer nahegelegenen Raffinerie läßt sie schneller verrotten, als man sie in Ordnung halten kann. Deshalb wurde jetzt eine Zone um Agra definiert, in der sich keine neue Industrie mehr ansiedeln darf und auch die vorhandenen Anlagen nicht mehr erweitert werden dürfen. Monitore, die die Verschmutzung registrieren, wurden beim Taj und in Sikandra aufgestellt. Ein Grüngürtel wird um das Taj Mahal angelegt und ständig erweitert. Außerdem versucht man neue Methoden der Restaurierung und Reinigung der Gebäude. Der Erfolg bleibt abzuwarten.


Sehenswertes
Das Reiseziel in Indien überhaupt ist das architektonische Wunderwerk, das im Stil einer Moschee erbaute - Taj Mahal. Shah Jahan ließ seiner 1630 bei der Geburt ihres 14. Kindes verstorbenen Lieblingsfrau und Ratgeberin Mumtaz Mahal ('Krone des Palastes') in 22-jähriger Bauzeit dieses Grabmal errichten. 20.000 Arbeiter und viele Künstler aus Europa und Persien schufen dieses Denkmal der Liebe aus Sandstein, Marmor und Halbedelsteinen. Über eine drei Kilometer lange Rampe wurden die Teile der marmornen Kuppel hinaufgeschafft. Mumtaz Mahal wurde dann in einer Grabkammer genau unterhalb der Kuppel beigesetzt. Eine getreue Nachbildung des wirklichen Sarkophags befindet sich zu ebener Erde, einerseits, um eventuelle Plünderer zu täuschen, andererseits, um eine Huldigung der Toten zu ermöglichen, ohne sie in ihrer letzten Ruhe zu stören. Zu der Anlage gehören außerdem eine Moschee zum Westen hin und ein ähnlicher Bau im Osten sowie weitere Gräber für die Königliche Familie und ihre Hofdamen. Das Eingangstor wurde zuletzt fertiggestellt und symbolisiert mit seinen 22 Kuppeln die Bauzeit des Monuments.
Wie bereits erwähnt ist das Taj stark bedroht durch die Luftverschmutzung, und es wird inzwischen nach geeigneten Gegenmaßnahmen gesucht.

- Rotes Fort: Das Rote Fort wurde unter Kaiser Akbar angefangen und von seinen drei Nachfolgern bis Aurangzeb erweitert. Der Zutritt ist nur durch das südliche Amar Singh Gate erlaubt. Zum Fluß hin liegen dann die verschiedenen, meist unter Shah Jahan erbauten Palastanlagen aus rotem Sandstein und weißem Marmor. In dem vorstehenden achteckigen Turm Saman Burj hielt Aurangzeb seinen Vater gefangen, den er wegen seiner Verschwendungssucht verhaften ließ. Aber er gewährte ihm von hier wenigstens noch den Blick auf das Taj Mahal, wo er ihn auch später neben seiner Frau beisetzen ließ. Dieser Turm ist Teil bzw. Anhängsel der Diwan-i-Khas, der 1637 errichteten Halle für private Audienzen, die zusammen mit der Diwan-i-Am, der unter Akbar erbauten öffentlichen Audienzhalle, und der Moti Mashad zu den besonders sehenswerten Bauten des Forts gehört. Diese 'Perlenmoschee' ist die größte aus Marmor gestaltete Moschee der Welt.

- Itmad-Ud-Daulah's Tomb, das Grabmal des Vorgängers Shah Jahans, im Auftrag seiner Frau Nur Jahan - 'Licht der Welt' von 1622-1628 errichtet, gilt als der unmittelbare architektonische Vorläufer des Taj. Es wurde 33 Jahre vor dem Taj Mahal erbaut. Hier wurde zum erstenmal die 'pietra-dura'-Technik ausprobiert, die Einlegearbeiten in Marmor. Der Vater Nur Jahans war übrigens der Großvater von Mumtaz Mahal, der Frau Shah Jahans. Das Mausoleum liegt auf der anderen Seite des Jumna, rechts an der Straße, die von der Brücke kommt. 1 km nördlich von hier liegt ein anderes, weniger gut erhaltenes Mausoleum.

- Chini ka Rauza, das Chinesische Grab. Hier ruht der Perser Allama Afsal Khan Shukrullah aus Shiraz, Poet und Gelehrter am Hofe Jahangirs und Minister unter Shah Jahan. Noch 1 km weiter findet sich der - Ram Bagh, ein Mogulgarten, von dessen Herrlichkeit allerdings nicht viel erhalten ist. Er wurde von dem Mogulherrscher Babur 1526 als erster dieser Art angelegt.

- Akbars Mausoleum liegt 10 km nordwestlich vom Fort in .o.Sikandra. Der Bau des Mausoleums wurde von Akbar begonnen und von seinem Sohn Jahangir 1613 beendet. Das in einem Garten angelegte Bauwerk aus rotem Sandstein mit weißen Marmordekorationen vereinigt in sich hinduistische und islamische Kunst- und Architekturstile. Das richtige Grab Akbars befindet sich in der Krypta, im Raum darüber steht eine Nachbildung.

- Dayal Bagh: ein noch im Bau befindlicher, weißer Marmortempel der Radhasoami Gruppe. Ihr Gründer lebte von 1818-1878. Mit dem Bau wurde vor 80 Jahren begonnen, und er soll in 120 Jahren fertig sein. Auch hier werden wieder die wertvollen Marmoreinlegearbeiten ausgeführt, und man kann den Künstlern bei der Arbeit zusehen. Eine kleine Ausstellung über die Geschichte und die Hintergründe der Bewegung gehört auch dazu. Der Tempel befindet sich 8 km vom Zentrum im Norden von Agra.

Agra ist auch Station auf der Reise mit dem Maharajazug "Palace on Wheels" - dem Palast Auf Rädern!

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