Lamaismus & Tibeter

Der von den 10.000 in Nepal lebenden Tibetern praktizierte Lamaismus ist eine Verbindung aus Mahayana-Buddhismus und der vorbuddhistischen Bon-Religion. Der Buddhismus kam im Jahre 632 n.Chr. nach Tibet und vermischte sich mit der Bon-Religion, die den Glauben an Geister, Dämonen und Naturgötter beinhaltet. Auch heute sind diese Elemente noch deutlich an den Wandbildern in den tibetischen Klöstern und in anderen Darstellungen zu erkennen. Der Lamaismus ist eine ausgesprochene Mönchsreligion. Die leitenden Mönche der Klöster werden meist auch als Inkarnation verstorbener geistiger Lehrer verehrt.
Bis zum 15. Jh. lag die Ausübung der Religion in den Händen der Rotmützen, denn es gab noch kein hierarchisches System mit Dalai Lama und Panchen Lama an der Spitze. Erst durch eine Reformationsbewegung der Gelbmützen wurde diese Hierarchie eingeführt. Dalai Lama und Panchen Lama teilen sich die weltliche und geistige Macht, die sich aber immer mehr auf den Dalai Lama konzentriert.
Tibet war von 1912 bis zur Gründung der VR China am 1.10.1949 unabhängig. Diese Unabhängigkeit schränkten die Chinesen mehr und mehr ein, der tibetische Widerstand wurde niedergeschlagen, und der 1940 eingeführte 14. Dalai Lama flüchtete in einem großen Trek am 31.3.1959 nach Indien. Das von allen Tibetern anerkannte Oberhaupt lebt heute in Dharamsala in Nordindien.
Bis heute flohen etwa 80.000 Tibeter in die Nachbarstaaten Nepal und Indien, von wo jedoch etwa zwei Drittel in die USA oder Schweiz sowie nach Kanada oder Großbritannien weiterzogen. Viele Exil-Tibeter leben heute noch mit dem Wunsch, nach Tibet zurückzukehren. Selbst in Nepal fühlen sie sich nicht als vollwertige Bürger anerkannt. Außer in Flüchtlingslagern leben sie in Kathmandu heute meist als Handwerker, Händler oder Restaurantbesitzer. Ihre Sitten unterscheiden sich stark von denen der hinduistischen Nepalis: Die Frau ist unter den Tibetern hochgeachtet und sexuell frei. Vielmännerei ist bei ihnen eine anerkannte Institution. Ähnliches findet sich in Resten noch bei den Sherpas, Thakalis und Mustang-Bewohnern.
Die Tibeter nehmen ihre Religion sehr ernst. Bester Anschauungsunterricht wird jedem in Swayambhu erteilt, wenn er morgens und abends die Tibeter mit ihren Gebetsmühlen, Mantras sprechend, dreimal den Berg umrunden sieht oder mit ihnen hoch zum Tempel geht.
Astrologie spielt bei Geburt, Namensgebung, Beerdigung eine wichtige Rolle, und das Horoskop wird dazu immer von einem Lama erstellt. Wer sich für tibetische Mystik interessiert, dem sei das Buch "Grundlagen tibetanischer Mystik" des 1985 verstorbenen deutschen Lamas Anagarika Govinda empfohlen sowie das "Totenbuch der Tibeter" von Chögyam Trungpa, einem in den Westen geflüchteten Lama.
Wichtigstes Werkzeug zur Erlangung der Erleuchtung ist die Meditation und die Kenntnis der Tantras, der heiligen Bücher. Der Lamaismus hat sehr viele Meditationstechniken und -methoden entwickelt, und es besteht die Möglichkeit, sie in Nepal in einem Kloster kennenzulernen. Allein in Bodnath (siehe Ortsbeschreibungen) werden verschiedene Kurse angeboten.
Hilfsmittel bei verschiedenen Meditationen sind die Mantras und Mandalas. Mantras sind "Formeln von Sanskritwörtern oder -silben, die im Klang das Wesen einer bestimmten Gottheit, Eigenschaft oder Macht ausdrücken". Das bekannteste ist: Om mani padme hum.
Mandalas sind Bilder von Gottheiten oder ihren Symbolen. Bei allen Meditationen geht es letzten Endes um das Erkennen der eigenen Projektionen und der Lösung aus ihnen und nicht um das Erkennen eines übernatürlichen Wesens, eines Gottes.


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