Die Wirtschaft Nepals

Als gebirgiges Binnenland mit fehlender Infrastruktur geht der angestrebte Wirtschaftsaufbau schleppend voran. Wichtigster Handelspartner ist Indien (etwa 50%). Allerdings kann Indien sich bis heute nicht ganz mit der Souveränität des kleinen Staates abfinden und versuchte, es seit 1950 durch Handels- und Transitabkommen an sich zu binden. Nepal, als kleiner Binnenstaat, dessen Verbindung zum Meer hauptsächlich über Indien läuft, hatte keine andere Möglichkeit, als diese restriktiven Verträge anzuerkennen. Das letzte Abkommen von 1971 endete am 23. März 1989. Indien schloß daraufhin 13 der 15 Grenzübergänge, wodurch Nepal wirtschaftlich in eine schwierige Situation geriet. Erst mit dem Staatsbesuch von Premierminister Krishna Bhattarai im Juli 1990 in Delhi trat eine Veränderung ein. Die geschlossenen Grenzübergänge wurden wieder geöffnet, nachdem Nepal einige Zugeständnisse machte. Nepal durfte eine Waffenlieferung aus China nicht annehmen, da sich Indien in seinen Sicherheitsinteressen bedroht fühlte. Indische Staatsbürger brauchen in Zukunkt keine Arbeitserlaubnis mehr in Nepal. Die Einfuhr von indischen Waren nach Nepal wurde weiter erleichtert. Diese Beschlüsse werden von mehreren Parteien kritisiert, da sie für die nepalische Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsituation nachteilig sind. Im August 1990 wurde vereinbart, daß zu den bestehenden drei Grenzübergängen in Sonauli, Birganj und Kakarvitta noch drei in Banbasa, Gauriphanta und Nepalganj für ausländische Touristen freigegeben werden sollen.
Zweitwichtigster Handelspartner sind die EG-Länder mit einem Anteil von 8 %. Ausfuhrgüter sind Jute, Reis, Häute, Ziegenfelle, Tabak, Gewürze, Arzneipflanzen, Edelhölzer und andere landwirtschaftliche Produkte sowie Souvenirs und Wollteppiche. Der Export von tibetischen Teppiche gilt heute mit ca. 30 Mio. US$ als zweitstärkster Devisenbringer. Das alljährliche Auslandsdefizit ist jedoch sehr hoch. Größter Devisenbringer mit 30 % des Gesamtaufkommens ist der Tourismus (265.943 Einreisen in 1988) mit ca. 60 Mio. US$. Eine weitere wichtige Einnahmequelle ist die Entwicklungshilfe.
Das Pro-Kopf-Einkommen beträgt 170.- US$, damit gehört Nepal zu den ärmsten Länder dieser Erde. Dieses Einkommen kann weiter sinken, da die Bevölkerung mit 2,6 % (1987) stärker zugenommen hat als das Bruttoinlandsprodukt (2,3 %). Etwa 57 % des Nationaleinkommens werden in der Landwirtschaft von 93 % der Bevölkerung erarbeitet, 13 % kommen aus der industriellen Produktion mit 2 % der Beschäftigten. Weniger als 10 % der Bevölkerung leben in der Stadt. Die relativ zu den Staaten der "ersten" Welt geringen Zuwachsraten lassen das Land immer weiter hinterherhinken, obwohl es absolut gesehen enorme Fortschritte macht. Andererseits werden die ökologische Probleme immer gravierender.

Landwirtschaft
Die Landwirtschaft beschäftigt über 90 % der Bevölkerung. Den größten Teil macht der oft mühselige Terrassenanbau von Reis aus, der jährlich etwa 2,5 Mio. Tonnen abwirft. Nur 17 % der Landesfläche werden bewirtschaftet, 30 % sind Waldflächen. 55 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche werden für den Reisanbau, 25 % für Mais und 12 % für andere Getreidearten benötigt. Kartoffeln sind ebenfalls verbreitet. Hauptwirtschaftsform ist die dörfliche Subsistenz-Wirtschaft. Der Nordwesten und Nordosten sind jedoch sehr schwach entwickelt. Der Agrarsektor stellt 80 % der Exportprodukte. Nepal kann sich mit Nahrungsmitteln noch weitgehend selbst versorgen.
Erosion (Bodenabtragung) und zunehmende Landknappheit sowie abnehmende Bodenfruchtbarkeit verschlechtern jedoch fortwährend die Bedingungen in den Berglagen. Damit verbunden ist der zunehmende Mangel an Holz, dem wichtigsten Energieträger auf dörflicher Ebene. Die Erosion ist teilweise naturbedingt, zum Teil auch von Menschen verursacht. In Nepal zeigt sich der Sommermonsun mit starken Niederschlägen in Form von Gewittern. Die herabstürzenden Wassermassen können von den ausgetrockneten Böden nicht gehalten werden, der kostbare Boden wird abgewaschen. Schlammmassen wälzen sich zu Tal und richten dabei weiteren Schaden an. Gegen Ende der Monsunzeit hat sich dann der Boden mit Wasser wie ein Schwamm vollgesogen. Dadurch kommt es zu weiteren Erdrutschen. Zerstörte Brücken, schuttbedeckte Straßen und Felder, eingestürzte Häuser sind ein gewohntes Bild.
Fußwege und nicht angepasster Straßenbau unterstützen ebenfalls die Erosion. Das in den schmalen Fußwegen gesammelte Wasser kann tiefe Schluchten aufreißen, während Straßenbau an den falschen Stellen zur Destabilisierung der Hänge und damit zu Bergrutschen führt.
Immer mehr Flächen in extrem steilen Lagen müssen erschlossen werden, um die Verluste auszugleichen. Gras- und Waldland wird dabei in Ackerland umgewandelt, was eine erhöhte Erosion zur Folge hat. Verstärkt wird diese Entwicklung noch durch die schnell wachsende Bevölkerung und die bestehende Realerbteilung. Das Agrarland ist in den letzten 25 Jahren pro Kopf der Bevölkerung von einem 1/3 ha auf 1/5 ha geschrumpft. In einigen Gegenden leidet die Bevölkerung an einem Nahrungsdefizit während mehrerer Monate des Jahres. Die Bauern sind dann gezwungen, in die Stadt abzuwandern, um das fehlende Einkommen durch Gelegenheitsarbeiten zu verdienen.
Auch im Terai, wo die Bedingungen besser sind, wird weniger produziert als möglich wäre. Hier sind 80 von 100 Bauern nicht die Besitzer der Agrarflächen, die sie bewirtschaften. Sie müssen nach dem Gesetz 50 % der Ernte an den Grundeigentümer zahlen. Die Eigentümer sind meist nicht bereit, von ihrem Gewinn in notwendige Verbesserungen wie Dünger, Saatgut, Bewässerungsanlagen, etc. zu investieren. Die landwirtschaftlichen Erträge gehen so zurück.

Industrie
Industrie gibt es noch wenig. Die Fabriken wurden ab den 60er Jahren erbaut: Zwei Zementwerke samt ihrem Dreck, Fabriken für Getränke- ("Starbeer" und Softdrinks), Kekse-, Tee- und Zigarettenherstellung, eine Bierfabrik als deutsche und eine Käsefabrik als schweizerische Entwicklungshilfe. Ansonsten Stahl- und Juteverarbeitung, Textilindustrie, Kleinhandwerk und "Hütten-Industrie". Die von der UNO und Swiss Aid ab 1961 geförderte Teppichknüpferei, die als Aufbauprogramm für die tibetischen Flüchtlinge ins Leben gerufen wurde, stellt heute einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar.

Die Industrie leidet unter den fehlenden Rohstoffen in Nepal. Vermutlich gibt es reiche, jedoch noch kaum erforschte und nicht erschlossene Rohstofflager, u.a. Gold, Kupfer, Eisenerz, Kohle, Blei. Die Ausbeutung dürfte aber wegen der Unzugänglichkeit noch auf sich warten lassen. Abgebaut werden Kalkstein und Glimmerschiefer.
Nepal besitzt ein großes Potential an Wasserkraft für die Stromerzeugung. Nepal könnte damit sogar Energielücken in Indien decken. Entsprechende Verträge und Interessen der Inder sind jedoch nicht in Sicht. Mit den bestehenden Wasserkraftwerken ist die Stromversorgung Nepals für die nächsten Jahre gesichert. Der Bau von Wasserkraftwerken bedeutet natürlich einen schweren Eingriff in die fragile Geologie, und auch in das Leben der Menschen, Pflanzen und Tiere. Den ökologischen Folgen muß deshalb große Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Der Bau solcher Anlagen bedarf des verstärkten Straßenausbaus, da das Material an Ort und Stelle geschafft werden muß. Das Straßennetz ist zur Zeit ca. 6000 km lang und wird weiter ausgebaut. Es ist jedoch nur ein Teil davon befestigt und als Allwetterstraße jederzeit zu benutzen.


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